
Verbundprojekt bringt digitale Innovationen in Wohneinrichtungen für Menschen mit Behinderung
Assistive Technologien sind für Menschen mit Behinderung wichtige Hilfsmittel, um aktiv am gesellschaftlichen Leben teilzuhaben. Auch im Bereich Wohnen gibt es zunehmend smarte Lösungen, die in Einrichtungen der Eingliederungshilfe sowohl für Bewohner*innen als auch für Mitarbeitende ein Gewinn an Lebensqualität bedeuten. Um den Einsatz digitaler und KI-gestützter Assistenzsysteme zu fördern und zu erproben, hat die SozialstiftungNRW das Verbundprojekt „Assistive Technik im Wohnen in der Eingliederungshilfe“ ins Leben gerufen, an dem sich vier Mitgliedsorganisationen des Paritätischen NRW beteiligen: der Verein Alsbachtal, die Lebenshilfe Brakel Wohnen Bildung Freizeit, die Lebenshilfe Wohnen NRW sowie der Rheinische Blindenfürsorgeverein 1886 Düren.
Smart Home in Wohneinrichtungen
Rollläden, die bei Einbruch der Dunkelheit automatisch herunterfahren, oder die Lautsprecher, die auf Zuruf den Lieblingssong abspielen – digitale Technologien und Künstliche Intelligenz sind in vielen Haushalten längst angekommen. Während im privaten Bereich meist Unterhaltung oder Komfort im Vordergrund stehen, kann die Technik in Wohneinrichtungen der Eingliederungshilfe die Selbstständigkeit und Sicherheit der Bewohner*innen erhöhen und dem Fachpersonal echte Entlastung bieten. Um den Einsatz von digitalen und KI-gestützten Technologien gezielt zu fördern und deren Auswirkungen auszuwerten, hat die SozialstiftungNRW das Verbundprojekt „Assistive Technik im Wohnen in der Eingliederungshilfe“ gestartet. Mit dem Verein Alsbachtal in Oberhausen, der Lebenshilfe Brakel Wohnen Bildung Freizeit in Willebadessen, der Lebenshilfe Wohnen NRW in Nettetal sowie dem Rheinischen Blindenfürsorgeverein 1886 Düren sind vier der zehn Standorte, an denen das Projekt umgesetzt wird, in Trägerschaft von Mitgliedsorganisationen des Paritätischen NRW.
Mehr Teilhabe – weniger Protokollieraufwand
Eines der meist genutzten Assistenzsysteme – sowohl für die Bewohner*innen als auch für die Pflegekräfte sind Sprachassistenten. In allen teilnehmenden Einrichtungen der Mitgliedsorganisationen kommt sprachgestützte Software zum Einsatz. Als Informations- und Kommunikationshilfe ermöglicht sie Menschen mit Behinderung mehr Eigenständigkeit und Teilhabe. Zum Beispiel durch sprechende Brillen, die blinden Menschen Texte in ihrer Umgebung vorlesen. Den Pflegekräften schenkt eine Sprache-zu-Text-Eingabe wertvolle Zeit, die sie nicht mehr mit der schriftlichen Dokumentation ihrer Arbeit verbringen müssen. Auch KI-gestützte Personalplanung sowie der Einsatz von Exoskeletten und Robotern entlasten Mitarbeitende von Routinetätigkeiten, sodass mehr Zeit und Kraft für die unmittelbare Assistenz bleiben.
Assistenzsysteme erhöhen Sicherheit
Für mehr Sicherheit sorgen intelligente Zugangs- und Präsenzmelder, die in der Lage sind, selbst kleinste Bewegungen in Räumen zu registrieren. Dadurch können sie erkennen, wenn jemand stürzt oder einen epileptischen Anfall erleidet und automatisch einen Notruf an das Betreuungspersonal oder externe Hilfsdienste absetzen. Gerade für Menschen mit Behinderung, die ein erhöhtes Risiko für gesundheitliche Notfälle haben, bieten erprobte Notfallsysteme einen Zugewinn an Selbstständigkeit und Lebensqualität. Sie ermöglichen es, auch bei komplexem Unterstützungsbedarf in den eigenen vier Wänden zu wohnen und fördern so ein selbstbestimmtes Leben. Die ständige Überwachung durch Pflegekräfte kann damit reduziert werden, ohne dass die Sicherheit leidet. So schaffen digitale Assistenzsysteme die Grundlage für mehr Unabhängigkeit und eröffnen neue Perspektiven für das Wohnen in der Eingliederungshilfe.
Reflektieren und weiterentwickeln
Das Verbundprojekt „Assistive Technik im Wohnen in der Eingliederungshilfe“ wird während seiner zweijährigen Laufzeit wissenschaftlich begleitet. Die Evangelischen Hochschule Bochum fokussiert sich dabei auf die Effekte, die Assistenzsysteme auf die Lebensqualität und Teilhabewirksamkeit der Bewohner*innen in Wohneinrichtungen der Eingliederungshilfe haben. Die Hochschule Niederrhein nimmt die Auswirkungen auf die Mitarbeitenden in den Blick. Ziel des Projekts ist der Erkenntnisgewinn über den Einsatz assistiver Technologien im Bereich Wohnen und deren nachhaltige Wirkung.