
„X-mal sozial“: Innovatives Ausbildungsprojekt für Quereinsteiger*innen in Hamm
In Hamm ist ein einzigartiges Ausbildungsprojekt angelaufen: Während der dreijährigen Ausbildung zum*zur Heilerziehungspfleger*in lernen die Auszubildenden drei verschiedene Betriebe und Fachbereiche kennen. Für jeweils ein Jahr geht es in die Bewegungskita von Movere – Verein für psychomotorische Entwicklungsförderung, zur Outlaw Kinder- und Jugendhilfe und in den Verein für körper- und mehrfachbehinderte Menschen (vkm). Alle drei sind Mitgliedsorganisationen des Paritätischen NRW, auf dessen Initiative das Projekt entstanden ist. Zielgruppe sind Quereinsteiger*innen mit und ohne Flucht- und Migrationshintergrund.
Eine Ausbildung, drei Betriebe
Mit dem Projekt „X-mal sozial“ wird die Ausbildung in der Heilerziehungspflege so vielfältig wie der Beruf selbst. In Hamm müssen sich die Auszubildenden nicht zwischen der Arbeit mit Kindern, Jugendlichen oder Menschen mit Behinderungen entscheiden, sondern erhalten praktische Erfahrungen in allen drei Bereichen. Möglich wird dies durch die Kooperation der Träger Movere, Outlaw und vkm, die gemeinsam mit dem Paritätischen Hamm ein bislang einzigartiges Angebot geschaffen haben. Durch den jährlichen Trägerwechsel erhalten die Auszubildenden einen intensiven Einblick in das Berufsfeld der Heilerziehungspflege und können sich nach erfolgreichem Abschluss aussuchen, bei welchem der drei Träger sie ihre berufliche Laufbahn fortsetzen möchten.
Quereinsteiger*innen für Fachkräftesicherung
„X-mal sozial“ richtet sich an ausbildungsinteressierte Erwachsene und wird dafür vom Jobcenter und der Agentur für Arbeit gefördert. Quereinsteiger*innen mit und ohne Flucht- und Migrationshintergrund, die im sozialen Bereich arbeiten möchten, soll durch die enge fachliche und sozialpädagogische Begleitung eine berufliche Perspektive eröffnet werden. Auch das Angebot zur Kinderbetreuung während der Ausbildungszeit sowie die Beschäftigungsgarantie bei fachlicher Eignung sind Maßnahmen, um die Ausbildung im sozialen Bereich attraktiv zu machen und somit dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken. In Hamm haben fünf Kandidatinnen die Vorbereitungskurse und ein Vorpraktikum erfolgreich absolviert und am 1. August die Ausbildung zur Heilerziehungspflegerin angetreten. Das Projekt wird durch die Hochschule Hamm-Lippstadt wissenschaftlich begleitet.
Zukunft des Modellprojekts
„Das Thema Fachkräftemangel beschäftigt den Vorstand des Paritätischen in Hamm schon länger“, berichtet Dorothée Schackmann, Kreisgruppengeschäftsführerin des Paritätischen Hamm und Koordinatorin des Projekts. „Mit ‚X-mal sozial‘ haben wir ein Modellprojekt entwickelt, das auch in anderen Kommunen oder Fachbereichen Anwendung finden kann, um Quereinsteiger*innen als Fachkräfte zu gewinnen.“ Der Wunsch im sozialen Bereich zu arbeiten sei häufig da, aber die Hürden durch fehlende Sprachkenntnisse, passende Kinderbetreuung oder mangelnde Einblicke in den Beruf oft zu groß. „Ich hoffe daher sehr, dass sich das Projekt verstetigt, sodass möglichst viele Quereinstiger*innen und Träger von der Vorarbeit der Kreisgruppe Hamm profitieren können“, so die Projektkoordinatorin.