
Mit Technologie gegen das Vergessen: HOLO-VOICES verleiht Holocaust-Überlebenden eine Stimme für die Ewigkeit
Auf dem Gelände der Zeche Zollverein in Essen ist seit Kurzem eine außergewöhnliche Ausstellung zu sehen: HOLO-VOICES verleiht Überlebenden des Holocaust eine Stimme für die Ewigkeit. Mithilfe modernster KI- und Hologrammtechnologie wird Erinnern zu einem lebendigen Dialog. Das gemeinsame Projekt des NRW-Ministeriums für Kultur und Wissenschaft und der Technischen Universität Dortmund bewahrt die persönlichen Geschichten von Zeitzeug*innen für kommende Generationen. Unterstützt wird die Ausstellung vom Verein Zweitzeugen, Mitgliedsorganisation im Paritätischen NRW. Der Verein kuratiert außerdem die Begleitausstellung „Unter Tage. Unter Zwang.“ und bietet ein pädagogisches Programm für Jugendliche und Erwachsene an.
Modernste Technologie

HOLO-VOICES basiert auf umfangreichen Interviews mit Holocaust-Überlebenden. Das Deutsche Exilarchiv 1933–1945 der Deutschen Nationalbibliothek hatte bereits vor einigen Jahren Gespräche mit den Zeitzeug*innen Inge Auerbacher und Kurt Salomon Maier aufgezeichnet. Diese Interviews bilden die Grundlage für die technisch aufwendigen, dreidimensionalen Hologramme. Mithilfe Künstlicher Intelligenz (KI) können Besucher*innen den Überlebenden Fragen stellen. Die KI findet die passende Originalantwort aus den Interviews – so entsteht ein authentischer, lebendiger Dialog.
Zeitzeug*innen-Erfahrungen weitergeben

Das Projekt ermöglicht es, das auch kommende Generationen, Zeitzeug*innen zuhören und mit ihnen in den Dialog treten können. Das ist von besonderer Wichtigkeit, denn die persönliche Begegnung mit Überlebenden des Holocausts hinterlässt Eindrücke, die kein Geschichtsbuch ersetzen kann. Doch immer weniger Zeitzeug*innen können ihre Erlebnisse selbst schildern. Umso wichtiger ist es, ihre Erfahrungen auf andere Weise erfahrbar zu machen – und junge Menschen zu ermutigen, dieses Wissen weiterzutragen.
Zweitzeug*in werden
Ein Ansatz, den auch der Verein Zweitzeugen, verfolgt. In Workshops, Ausstellungen und Veranstaltungen ermutigt er junge Menschen, die Geschichten der Zeitzeug*innen als sogenannte Zweitzeug*innen weiterzuerzählen, Haltung zu zeigen und gesellschaftliche Verantwortung zu übernehmen. Er unterstützt das Projekt HOLO-VOICES, gestaltet ein pädagogisches Begleitprogramm für Jugendliche und Erwachsene und kuratiert in Kooperation mit dem Ruhr Museum die Begleit-Ausstellung „Unter Tage.Unter Zwang.“ Sie zeigt, wie Zwangsarbeit im Ruhrbergbau funktionierte und was sie für die Betroffenen bedeutete.
HOLO-VOICES besuchen
Gruppenangebote, Führungen und Workshops – etwa für Schulklassen – können über die Projekt-Website HOLO-VOICES gebucht werden. Einzelbesucher*innen können die Ausstellung täglich von 12 bis 18 Uhr besuchen. Sie befindet sich in Halle 8 des UNESCO-Welterbes Zollverein.