Der Paritätische NRW

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Ältere Frau stützt Hände auf den Kopf und schaut nach unten

Dunkelfeld Gewalt: Neue Studie offenbart massiven Handlungsbedarf im Schutzsystem

Die Bundesregierung hat die Ergebnisse der Bevölkerungsbefragung „Lebenssituation, Sicherheit und Belastung im Alltag“, kurz LeSuBiA, veröffentlicht. Sie zeigen: Ein Großteil von Gewalterfahrungen in Deutschland wird nicht angezeigt. Bei den meisten Gewaltformen liegt die Anzeigequote unter zehn Prozent; bei Gewalt innerhalb von (Ex-)Partnerschaften sogar unter fünf Prozent. Der Paritätische Gesamtverband zeigt sich angesichts der hohen Dunkelziffer schockiert und fordert den massiven Ausbau von Schutzhäusern und Beratungsstellen.

Auswege ermöglichen

In einem am 10. Februar 2026 veröffentlichten Statement macht Dr. Joachim Rock, Hauptgeschäftsführer beim Paritätischen Gesamtverband, deutlich:

„Die heute vorgestellten Zahlen sind ein Schock. Das tatsächliche Ausmaß von Gewalt in Deutschland übersteigt die polizeiliche Statistik bei weitem. Die Dunkelziffer ist erschreckend hoch. Gewalt findet dort statt, wo die Öffentlichkeit nicht hinschaut: in Familien, Partnerschaften, in den eigenen vier Wänden – und vor aller Augen in den sozialen Medien.
Hinter den Zahlen stehen Schicksale. Jede zweite Person hat bereits als Kind körperliche Gewalt durch Erziehungsberechtigte erlebt. Viele, die später in Partnerschaften Gewalt erfahren, kennen sie schon aus der eigenen Kindheit. Gewalt wird von Generation zu Generation weitergegeben. Diese Spirale müssen wir durchbrechen. Oft sehen Betroffene keinen Ausweg aus persönlichen oder familiären Abhängigkeiten. Als Gesellschaft haben wir die Aufgabe, ihnen diesen Ausweg zu ermöglichen. Wir brauchen eine funktionierende Infrastruktur für Gewaltschutz. Jetzt.
Der Bedarf an Schutz, Beratung und Prävention ist weitaus größer als bislang angenommen. Wir brauchen dringend einen massiven Ausbau von Schutzhäusern und Beratungsstellen für alle Betroffenen, unabhängig vom Geschlecht. Wir brauchen gezielte Investitionen in Familienarbeit und in die Arbeit mit Täterinnen und Tätern, damit Gewalt gar nicht erst entsteht.“

Über LeSuBiA

Die Dunkelfeldstudie „Lebenssituation, Sicherheit und Belastung im Alltag“ (LeSuBiA) ist ein gemeinsames Projekt des Bundeskriminalamts (BKA), des Bundesministeriums des Innern (BMI) und des Bundesministeriums für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMBFSFJ). Sie ergänzt die Zahlen der alljährlichen BKA-Statistik zu den angezeigten Fällen häuslicher und geschlechtsspezifischer Gewalt. Die letzten Erhebungen der tatsächlichen Gewaltbetroffenheit in Deutschland liegen jedoch schon lange zurück – sie fanden zuletzt 2004 statt.