Der Paritätische NRW

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Ein nachdenklicher Teenager im Gespräch mit einem Erwachsenen.
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Pa­pa hat De­menz: Bochu­mer Pi­lot­pro­jekt ent­wi­ckelt Un­ter­stüt­zungs­struk­tu­ren für her­an­wach­sen­de Kin­der von jün­ge­ren Men­schen mit De­menz

Jeder fünfte bis zehnte Mensch mit Demenz in Deutschland ist jünger als 65 Jahre. Einige von ihnen haben noch heranwachsende Kinder. Für diese besonders vulnerable Gruppe gibt es nur selten gezielte Angebote der Unterstützung. Mit dem Pilotprojekt „KIDSDEM“ will die Alzheimer Gesellschaft Bochum, Mitgliedsorganisation des Paritätischen NRW, das nun ändern. Gemeinsam mit dem LWL-Universitätsklinikum für Psychiatrie, Psychotherapie und Präventivmedizin und der Kinder- und Jugendhilfeeinrichtung St. Vinzenz baut sie in Bochum eine Versorgungsstruktur für Kinder demenzkranker Eltern auf.

Große Belastung für Kinder und Jugendliche

Familien, in denen ein Elternteil von Demenz betroffen ist, sind extrem belastet. Die Rollen- und Aufgabenverteilung innerhalb der Familie ändert sich, Lebenspläne werden durchkreuzt, Zukunftsängste entstehen und die Zeit und Geduld für die in der Familie lebenden Kinder wird weniger. Bei den Kindern und Jugendlichen entstehen große Sorgen, mit denen sie oft alleine bleiben. Sie isolieren sich, behalten ihre Ängste und familiären Belastungen für sich, vernachlässigen die Schule. Mit ihren Freund*innen können und wollen sie oft nicht reden, da diese ihre Probleme nicht nachvollziehen können. Auch Scham spielt häufig eine Rolle. Gleichzeitig fühlen sich viele Kinder und Jugendliche mitverantwortlich für die Unterstützung und Versorgung des an Demenz erkrankten Elternteils und übernehmen sogar oft altersunübliche (pflegerische) Aufgaben. Dabei stellen sie ihre eigenen Interessen und Bedürfnisse hinten an – und das alles in einer besonders sensiblen Phase der eigenen Persönlichkeitsentwicklung. Die Belastungen und existenziellen Ängste können zu Belastungsstörungen führen, deren Auswirkungen bis in das spätere Leben hineinreichen.

Sich mit anderen austauschen und gemeinsam stark werden

Das Projekt „KIDSDEM“ will dem entgegenwirken und betroffene Kinder und Jugendliche durch die Ausbildung von Resilienzfaktoren stark machen. Im Rahmen des Gruppenangebots „dEMPOWER“ können sie sich mit Gleichaltrigen austauschen und offen über ihre Gefühle sprechen. „dEMPOWER“ sollen ihnen helfen, ihre eigenen Stärken besser wahrzunehmen sowie individuelle Stressbewältigungskompetenzen zur psychischen Entlastung zu entwickeln. Außerdem erleben die Kinder und Jugendlichen Spaß in der Gemeinschaft. Begleitend bieten die Projektpartner Eltern- und Familiengespräche an, in denen familiäre Bewältigungsstrategien entwickelt werden können oder Beratung zu Hilfs- und Entlastungsangeboten erfolgen kann.

Projekt mit Vorbildcharakter

„KIDSDEM“ wendet sich an Kinder und Jugendliche im Alter von 13 bis 21 Jahren. Das wissenschaftlich begleitete Pilotprojekt wird vom NRW-Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales, den Landesverbänden der Pflegekassen und dem Verband der Privaten Krankenkassen finanziert. Nach der Pilotphase soll es anderen Ländern als Vorbild dienen.