
Mit Haltung gegen das Vergessen: Prominente werden Zweitzeug*innen von Holocaust-Überlebenden
Am 27. Januar, dem Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus, startet der Verein Zweitzeugen, Mitgliedsorganisation im Paritätischen NRW, die Social-Media-Kampagne „Ich bin Zweitzeug*in von …“. In der Kampagne tragen Schauspielerin Iris Berben und weitere bekannte Persönlichkeiten aus Medien, Wissenschaft und Sport die Erinnerungen von Holocaust-Überlebenden weiter und halten deren Geschichten lebendig.
Wichtiger Auftrag
Der Verein Zweitzeugen vermittelt seit vielen Jahren in analogen und digitalen Bildungsprojekten die Lebensgeschichten von Überlebenden des Holocaust und schafft so einen persönlichen Zugang zur Geschichte des Nationalsozialismus. In Workshops, Ausstellungen, Vorträgen und weiteren Formaten ermutigt und befähigt der Verein insbesondere junge Menschen, diese Geschichten verantwortungsvoll weiterzutragen, selbst zu sogenannten Zweitzeug*innen zu werden und sich aktiv gegen Antisemitismus und Diskriminierung einzusetzen. Ein wichtiger Auftrag: Da immer weniger Zeitzeug*innen ihre Erlebnisse persönlich schildern können, kommt dem Weitergeben ihrer Erinnerungen eine zunehmend wichtige gesellschaftliche Bedeutung zu.
Verantwortung übernehmen
Im Rahmen der Kampagne „Ich bin Zweitzeug*in von …“ konnte der Verein Zweitzeugen nun zahlreiche prominente Persönlichkeiten gewinnen, die eine Patenschaft für die Lebensgeschichten von Holocaust-Überlebenden übernehmen. Sie zeigen, dass Erinnern auch ohne unmittelbare Zeitzeugenschaft möglich ist – als bewusste Entscheidung für Haltung, Demokratie und Menschlichkeit und als wirksames Mittel gegen Antisemitismus und Diskriminierung. Schauspielerin Iris Berben erzählt in der Kampagne die Geschichte der Holocaust-Überlebenden Margot Friedländer, einer der bekanntesten Zeitzeuginnen Deutschlands. Berben war Friedländer über viele Jahre persönlich verbunden. Mit Blick auf ihre Rolle als Zweitzeugin in der Kampagne sagt Berben: „Erinnern heißt für mich: wach bleiben, zuhören und Verantwortung übernehmen. Die Geschichten der Überlebenden des Holocausts sind mehr als Zeugnisse einer grauenvollen Vergangenheit – sie sind Leitlinien für unser Handeln heute. Die Kampagne ‚Ich bin Zweitzeug*in von …‘ macht deutlich, dass Erinnerung nicht im Rückblick verharrt. Wenn wir diese Geschichten weitertragen, übernehmen wir Verantwortung für unsere Gegenwart und für eine Gesellschaft, die auf Demokratie, Vielfalt und Menschlichkeit gründet.“
Neue Zweitzeug*innen-Generation
Neben Iris Berben beteiligen sich unter anderem der Sportjournalist Marcel Reif, Sohn eines Holocaust-Überlebenden, der Wissenschaftsjournalist Mirco Drotschmann, die ehemalige Profifußballerin Tuğba Tekkal sowie die Moderatorin Clarissa Corrêa da Silva. Sie stehen stellvertretend für eine neue Generation von Zweitzeug*innen aus unterschiedlichen gesellschaftlichen Bereichen. Ab dem 27. Januar 2026 werden die Beiträge auf den digitalen Kanälen des Vereins Zweitzeugen veröffentlicht (Instagram, YouTube, LinkedIn).