
Demokratie im Schulalltag stärken: Projekt bildet Schulpersonal zu Clearing-Beauftragten aus
28.05.2026
Kriege, politische Extreme, gesellschaftliche Konflikte, unsichere Zukunftsperspektiven – womit junge Menschen täglich konfrontiert sind, macht vor der Schule nicht halt. Umso wichtiger ist es, Demokratieförderung fest im Schulalltag zu verankern. Mit dem Projekt Clear Vision gibt die Aktion Gemeinwesen und Beratung (AGB) aus Düsseldorf, Mitgliedsorganisation im Paritätischen NRW, weiterführenden Schulen Werkzeuge zur Stärkung einer demokratischen Schulkultur an die Hand.
Gelebte Demokratie
In Zeiten wachsender gesellschaftlicher Spaltung, politischer Polarisierung und der zunehmenden Verbreitung extremistischer Gesinnung tragen Schulen eine besondere Verantwortung. Wo täglich hunderte Heranwachsende mit unterschiedlichen sozialen Hintergründen, Weltanschauungen und Verhaltensweisen aufeinandertreffen, muss Demokratiearbeit im Schulalltag fest verankert sein. Denn gelebte Demokratie schafft Zugehörigkeit, stärkt Selbstwirksamkeit und bietet jungen Menschen Orientierung in einer komplexen Welt. Genau hier setzt das Projekt Clear Vision der AGB an. Gefördert durch die Bundeszentrale für politische Bildung, baut es auf über zehn Jahren Erfahrung in der schulischen Radikalisierungsprävention auf und gibt Schulen konkrete Werkzeuge, um demokratische Schulkultur zu leben und Radikalisierung frühzeitig zu begegnen.
Qualifizierung zu Clearing-Beauftragten
Clear Vision verbindet die Förderung demokratischer Schulkultur mit Radikalisierungsprävention. Teilnehmende Schulen werden durch einen Qualifizierungslehrgang begleitet, in dem Lehrkräfte und Schulsozialarbeiter*innen zu sogenannten Clearing-Beauftragten, weitergebildet werden. Diese stärken in ihren Einrichtungen gezielt die Partizipationsmöglichkeiten von Schüler*innen, etwa indem sie pädagogische Formate entwickeln, die Raum für die Lebenswirklichkeiten junger Menschen schaffen – von Fragen der Zugehörigkeit über religiöse und politische Konflikte bis hin zu gesellschaftlicher Ungleichheit. Ziel ist es, den Selbstwert und die Zukunftsaussichten von Schüler*innen zu stärken, um einer Radikalisierung infolge von Perspektivlosigkeit, fehlender Anerkennung oder mangelndem Sicherheitsgefühl vorzubeugen.
Strukturiertes Verfahren gegen Radikalisierung
Ergänzend setzt Clear Vision auf das sogenannte Clearing-Verfahren: Ein strukturiertes, siebenstufiges Instrument, das Schulen dabei unterstützt, Hinweise auf Radikalisierung systematisch, sensibel und phänomenübergreifend einzuschätzen und geeignete Maßnahmen einzuleiten. Treten bei Schüler*innen menschenverachtende, demokratiefeindliche oder anderweitig diskriminierende Verhaltensweisen auf, wird unter Einbezug der Clearing-beauftragten Person ein Clearingteam aus relevanten schulischen und außerschulischen Akteur*innen einberufen. Dieses beschließt gemeinsam pädagogische Maßnahmen – von Methoden der Sozialen Arbeit über systemische Beratung bis hin zu freizeitpädagogischen Angeboten – und begleitet deren Umsetzung und Evaluation. Für das Verfahren hat Clear Vision eine Handreichung entwickelt, die auf der Projekt-Webseite zum Download zur Verfügung steht.
Anmeldung zum Qualifizierungslehrgang
Die Anmeldung für den an schulisches Personal gerichteten Qualifizierungslehrgang 2027 wird im Herbst 2026 eröffnet. Interessierte Schulen können sich mit einer kurzen Nachricht an junus.el-naggar@die-agb.de, den Projektleiter wenden, um informiert zu werden, sobald die Anmeldung eröffnet ist.