
Sexuelle Bildung für alle: Pilotprojekt entwickelt Angebote für Menschen mit Behinderung
07.05.2026
Während Sexualaufklärung in vielen Bereichen selbstverständlich ist, fehlt es in Förderschulen und Einrichtungen der Eingliederungshilfe oft an passenden Angeboten. Die aidshilfe Dortmund, Mitgliedsorganisation im Paritätischen NRW, setzt mit ihrem Projekt „einfach Sex.“ genau hier an: praxisnah, partizipativ und mit dem Ziel, sexuelle Bildung für alle zugänglich zu machen.
Sexuelle Selbstbestimmung fördern
Jeder Mensch hat das Recht auf Sexuelle Bildung. Sexualaufklärung trägt zur Selbstbestimmung, zum Schutz vor Übergriffen und zur gesellschaftlichen Teilhabe bei. Während sie in Regelschulen und Jugendhilfeeinrichtungen fester Bestandteil der Wissensvermittlung ist, bleibt sie in Förderschulen und Einrichtungen für Menschen mit Behinderung oft ein Randthema. Das möchte das Pilotprojekt „einfach Sex.“ der aidshilfe Dortmund ändern. Gemeinsam mit Trägern der Eingliederungshilfe in Dortmund werden Beratungsangebote und Workshops für Menschen mit Lernschwierigkeiten entwickelt. Diese sind teilweise auch selbst als Expert*innen in die Weiterentwicklung der Angebote eingebunden. So sollen möglichst praktische und interaktive Konzepte zur Vermittlung erarbeitet werden: Vom Wissen über den eigenen Körper und die eigenen Rechte bis hin zu Themen wie Flirten, Dating und Safer Sex. Ziel ist es, junge Menschen mit kognitiver Beeinträchtigung in ihrer sexuellen Selbstbestimmung zu unterstützen und zu stärken.
Sexuelle Kompetenz professionell stärken
„einfach Sex.“ richtet sich dabei aber nicht nur an Menschen mit Unterstützungsbedarf, sondern auch an Fachkräfte der Eingliederungshilfe. Fortbildungen und gemeinsame Austauschformate sollen Sicherheit im Umgang mit dem Thema Sexualität von Menschen mit Behinderung geben und die Fachkräfte für die sexuelle Selbstbestimmung ihrer Klient*innen sensibilisieren. Im Wintersemester 2025/2026 gab es zudem eine Kooperation zwischen dem Projekt und der Technischen Universität Dortmund. In den Seminaren „Frauen mit Behinderung zwischen sexueller Selbstbestimmung und Gewaltschutz“ und „Inklusion & Intimität: Sexualität und soziale Ordnung bei Behinderung“ betrachteten Studierende die gesetzlichen und gesellschaftlichen Aspekte des Themas und lernten dabei, wie Fachkräfte die sexuellen Kompetenzen von Menschen mit kognitiver Beeinträchtigung stärken können. Das Projekt läuft noch bis Ende 2027 und wird von der LWL Sozialstiftung gefördert.