
Studie zu Pflegefamilien in NRW: Alltag zwischen Engagement und Systemgrenzen
Pflegefamilien tragen eine große Verantwortung – oft jedoch ohne verlässliche Unterstützung. Für viele Pflegekinder gleicht das Aufwachsen in Deutschland einem Roulettespiel. Das zeigen die Ergebnisse eines wissenschaftlichen Forschungsprojekts vom Verband PAN Pflege- und Adoptivfamilien NRW, Mitgliedsorganisation im Paritätischen NRW. Ziel der Studie war es, die Situation von Pflegefamilien sichtbar zu machen, Herausforderungen zu identifizieren und nachhaltige Verbesserungen anzustoßen.
Tiefe Einblicke in Lebensrealitäten
Im Rahmen des Forschungsprojekts „Fokus Pflegefamilien NRW“ hat PAN Pflegefamilien in Nordrhein-Westfalen anonym zu ihren Erfahrungen befragt. Die groß angelegte Online-Befragung ermöglichte tiefe Einblicke in die Lebensrealitäten der Familien und lieferte fundierte wissenschaftliche Erkenntnisse. Das Projekt wurde von PAN initiiert und fachlich begleitet. Die wissenschaftliche Leitung lag bei Katrin Schäfer von der Frankfurt University of Applied Sciences unter beratender Mitwirkung von Prof. Dr. Maud Amal Nordstern, Professorin für Jugendhilfe und Kinderschutz.
Aufwachsen in Unsicherheit
Der Abschlussbericht verdeutlicht: Es fehlt vielerorts an klaren Standards, an geschultem Fachpersonal und an einer langfristigen Perspektive für Pflegekinder. Besonders belastend sind uneinheitliche behördliche Zuständigkeiten, unzureichende Beratung und eine überbordende Bürokratie. Viele Pflegekinder wachsen in struktureller Unsicherheit auf – obwohl Sicherheit für ihre Entwicklung essenziell ist. Die Studie zeigt zudem: Es mangelt nicht an Wissen, sondern an der Umsetzung bestehender Erkenntnisse.
Forderungen von PAN
PAN NRW fordert deshalb, dass in der Jugendhilfe einheitliche Qualitätsstandards geschaffen werden, auf die sich Pflegefamilien unabhängig vom zuständigen Jugendamt verlassen können. Gerichtliche Maßnahmen im Bereich der Familiengerichtsbarkeit sollten sich konsequent am Wohl des Kindes orientieren und nicht an institutionellen oder wirtschaftlichen Interessen ausgerichtet sein. Darüber hinaus ist eine verlässliche und bedarfsgerechte Unterstützung für Pflegefamilien notwendig. Hierzu zählen insbesondere Beratung, Entlastung, Supervision sowie ein niedrigschwelliger Zugang zu Hilfen – vor allem bei Kindern mit erhöhtem Unterstützungsbedarf.