Notizzettel mit Einnahmen und Ausgaben

Schuldnerberatung

In NRW ist jede/-r Zehnte überschuldet. Während Schulden früher hauptsächlich ein Problem der unteren Einkommens- und Bildungsschichten war, ist es inzwischen in der Mittelschicht angekommen. Menschen, die überschuldet oder anderweitig in finanzielle Not geraten sind, finden Beratung und Begleitung in Schuldnerberatungsstellen und staatlich anerkannten Insolvenzberatungsstellen. Auslöser von Überschuldung sind insbesondere Arbeitslosigkeit, Scheidung oder Trennung sowie Familienzuwachs. Überschuldete Menschen leiden regelmäßig unter Ängsten und familiären Konflikten, sie sind häufiger krank und werden sozial ausgegrenzt.

Ganzheitliche Beratung und Begleitung


Charakteristisch für die Schuldnerberatungsstellen in Trägerschaft von Mitgliedsorganisationen des Paritätischen NRW ist, dass sie die betroffenen Menschen ganzheitlich beraten und begleiten. Überschuldung wird als persönliche soziale Notlage begriffen. Die Beratung beschränkt sich nicht nur auf die Regulierung der finanziellen Situation, sondern hat das Ziel, gemeinsam mit den Betroffenen eine individuell passende Strategie für den Umgang und die Bewältigung der sozialen Notlage zu erarbeiten. Einige Mitgliedsorganisationen des Paritätischen NRW wie die Schuldnerhilfe Bielefeld bieten Schuldnerberatung als fachlich spezielles Beratungsangebot an. Daneben gibt es eine Reihe von Organisationen, die sie im Rahmen eines breiteren Leistungsfächers anbieten, wie beispielsweise das Begegnungs- und Fortbildungszentrum muslimischer Frauen in Köln.

Fach- und organisationsübergreifende Information


Da Überschuldung häufig auch in anderen Feldern der sozialen Arbeit ein Thema ist, etwa in der Straffälligenhilfe, in Betreuungsvereinen oder der Arbeitslosenberatung, ist dem Paritätischen NRW die fach- und organisationsübergreifende Information besonders wichtig. So hat der Verband beispielsweise die von der GlücksSpirale geförderte Broschüre „Über den Gartenzaun – Schuldnerberatung für benachbarte Dienste und Einrichtungen“ herausgegeben und bietet in Kooperation mit den anderen Wohlfahrtsverbänden in NRW spezielle Fortbildungsangebote zum Thema (www.fortbildung-schuldnerberatung.de) an.

Einsatz für eine solide gesicherte Finanzierung


Die Schuldnerberatung in NRW wird im Wesentlichen kommunal sowie aus Sparkassenmitteln und Landesmittel für die Verbraucherinsolvenzberatung finanziert. Die Finanzierung ist örtlich sehr unterschiedlich, mit der Folge, dass vielfach ist kein offener Zugang gewährleistet ist. So wird beispielsweise in einigen Kommunen Schuldnerberatung nur für Menschen finanziert, die Leistungen der Grundsicherung (Arbeitslosengeld II) beziehen. Der Paritätische NRW setzt sich für eine solide gesicherte Finanzierung sowie für den Ausbau präventiver Angebote und früher Hilfen ein. Auf Bundesebene wirbt er für einen Rechtsanspruch auf Schuldnerberatung, um einen flächendeckenden, offenen und vom Sozialleistungsbezug unabhängigen Zugang zu Schuldnerberatung für alle zu ermöglichen.

Zuordnung des Themas im Verband:


Fachbereich Schuldnerberatung

Fachgruppe Arbeit, Armut, soziale Hilfen, Europa (Fachgruppenleiter: Werner Lüttkenhorst)