Häuserreihe mit bunten Mehrfamilienhäusern

Wohnungspolitik

Wie Menschen in NRW wohnen, ist eine wichtige Frage der Sozialpolitik. Für Menschen mit geringem Einkommen oder in schwierigen Lebenslagen ist es schwerer geworden, geeigneten und bezahlbaren Wohnraum zu finden. Besonders hart trifft es Menschen, die aus Einrichtungen der sozialen Arbeit in eine eigene Wohnung umziehen wollen, etwa aus Einrichtungen der Suchtarbeit, der Sozialpsychiatrie oder aus Frauenhäusern. Aber auch Wohnungslose und Menschen mit Migrationshintergrund sind häufig betroffen.

Wohnen bedeutet soziale Teilhabe

Mitgliedsorganisationen aus allen fachlichen Bereichen des Paritätischen NRW sind immer wieder mit dem Problem konfrontiert, dass sie den Menschen, die sie beraten, unterstützen und betreuen, keine Wohnungen vermitteln können. Wohnen aber bedeutet soziale Teilhabe: Wer keine adäquate Wohnung mehr bekommt oder sich nur noch eine in bestimmten Stadtteilen und Regionen leisten kann, erfährt gesellschaftliche Ausgrenzung.

 

Kreative und innovative Arbeit

Zahlreiche Mitgliedsorganisationen leisten hier wichtige und zum Teil sehr kreative und innovative Arbeit: So gestaltet die GrünBau gGmbH beispielsweise die Dortmunder Nordstadt, indem Menschen sich über die Renovierung von maroden Häusern zunächst einen Arbeitsplatz und dann auch ihre eigene Wohnung schaffen. Im Kampf gegen die Wohnungslosigkeit sammelt asphalt e. V. / fifty-fifty seit einigen Jahren gute Erfahrungen mit dem so genannten Housing-First-Ansatz. Bei Housing-First bekommen die Betroffenen im ersten Schritt eine reguläre Wohnung und müssen nicht, wie derzeit meist praktiziert, zunächst ihre Wohnfähigkeit unter Beweis stellen. Gemeinsam mit dem Paritätischen NRW hat fiftyfifty mit dem Projekt Housing-First-Fonds (Projektlaufzeit: 2018 bis 2020) die Verbreitung des Ansatzes vorangetrieben. Der Maler Gerhard Richter spendete dem Projekt 18 Bilder, deren Verkaufserlöse in den Fonds flossen. Träger der Freien Wohlfahrtspflege aus NRW, die Wohnungen zur Umsetzung des Housing-First-Ansatzes kaufen wollten, konnten sich um Mittel aus dem Fonds bewerben. So wurde während der Projektlaufzeit neuer Wohnraum für mehr als 70 Langzeit-Wohnungslose geschaffen.

 

Verantwortungsvolle Wohnungspolitik

Der Paritätische NRW setzt sich gegen reines Rendite-Denken und für eine verantwortungsvolle Wohnungspolitik ein, die Wohnraum für alle Menschen schafft und Ghettoisierungen verhindert. Dazu gehört neben der finanziellen Förderung des sozialen Wohnungsbaus und -erhalts auch die Gestaltung von Wohnen und Leben im Quartier: Soziale Angebote, Orte der Begegnung, durchmischte Wohnviertel und nachbarschaftliche Gemeinschaft gehören für den Paritätischen zu einem zeitgemäßen wohnungspolitischen Konzept dazu.

 

Engagement für sozialen Wohnraum

Den Rahmen für den Wohnungsmarkt setzt die Politik auf Bundes- und Landesebene. Hier setzt sich der Verband dafür ein, dass wichtige Errungenschaften zur Stärkung der Mieter*inneninteressen wie beispielsweise die Mietpreisbremse, die Kappungsgrenze und das Zweckentfremdungsgesetz nicht aufgeweicht werden. Die konkrete Ausgestaltung der Wohnungspolitik geschieht in den Kommunen, das Engagement für sozialen Wohnraum fällt hier jedoch sehr unterschiedlich aus: Mancherorts gibt es gute Netzwerke aus politischer Verwaltung, städtischer Wohnungsbaugenossenschaft und weiteren Akteuren wie etwa der Freien Wohlfahrtspflege. Anderenorts fehlt so etwas fast vollständig. Der Paritätische NRW berät und unterstützt seine Mitgliedsorganisationen bei ihren Aktivitäten im Themenfeld Wohnen, sammelt gelungene örtliche Beispiele und fördert die Netzwerkarbeit.

 

Zuordnung des Themas im Verband:

Fachbereich Wohnungspolitik

Fachgruppe Arbeit, Armut, soziale Hilfen, Europa (Fachgruppenleitung: Katja Schwarz)