Vertragspapiere werden erläutert

Betreuungsvereine

Wenn ein Mensch aufgrund einer Behinderung oder Erkrankung seine Angelegenheiten nicht mehr selber regeln kann, erhält er eine rechtliche Vertretung. Diese kann ehrenamtlich, zum Beispiel von Familienangehörigen oder professionell von einer selbständigen Betreuungsperson oder von einem Betreuungsverein übernommen werden. Die in der Regel bei den Wohlfahrtsverbänden angesiedelten Betreuungsvereine zeichnen sich durch eine hohe fachliche Kompetenz aus und haben bei der Arbeit stets das Wohl des betreuten Menschen im Blick.

 

Die Aufgaben von Betreuungsvereinen

Anders als selbstständige Betreuungspersonen, haben Betreuungsvereine eine Vielzahl von Aufgaben, die über die rechtliche Betreuung hinausgehen. In einigen Kommunen übernehmen sie für die Betreuungsbehörden weitere Aufgaben, wie zum Beispiel Sachverhaltsermittlungen. Ihr gesetzlicher Auftrag und eine zentrale Aufgabe ist es, ehrenamtliche rechtliche Betreuungspersonen zu finden, zu qualifizieren und zu begleiten. Sie machen Öffentlichkeitsarbeit, organisieren Veranstaltungen und Fortbildungen und fördern den Austausch der ehrenamtlichen Betreuungspersonen. Sie beraten die Ehrenamtlichen, damit diese ihre Aufgabe gut ausfüllen können. Diese so genannte Querschnittsaufgabe dürfen nur sie übernehmen. Dafür erhalten die Betreuungsvereine eine Landesförderung, die aber nur einen Teil der Ausgaben deckt.

 

Hilfe bei der Erstellung von Vorsorgevollmachten

Die Betreuungsvereine informieren außerdem über das Thema Vorsorge durch Vollmachten. Mit einer Vorsorgevollmacht kann man im Falle einer Hilfsbedürftigkeit andere Personen mit der Wahrnehmung finanzieller und persönlicher Angelegenheiten bevollmächtigen. Die Betreuungsvereine helfen bei der Erstellung von Vollmachten und beraten die Bevollmächtigten, wenn diese handeln müssen.

 

Struktur der Betreuungsvereine erhalten

Um die Struktur der Betreuungsvereine zu erhalten und eine Arbeit im Sinne der Menschen zu ermöglichen, setzt sich der Paritätische NRW gemeinsam mit anderen Wohlfahrtsverbände für eine auskömmliche Finanzierung ein. Außerdem unterstützt der Verband seine Mitgliedsorganisationen, zu denen vor allem kleinere örtlich tätige Betreuungsvereine zählen, durch die Möglichkeit des regelmäßigen Austauschs zur Weiterentwicklung der fachlichen Arbeit und Strukturen.

 

Seit Herbst 2019 arbeitet das Bundesministerium für Justiz und für Verbraucherschutz in einem breit angelegten Diskussionsprozess mit Betroffenen, Verbänden, kommunalen und Landesbehörden und weiteren Expert*innen an einer Reform des Betreuungsrechts, die 2020 im Bundestag debattiert und verabschiedet werden soll. Ziel ist die Stärkung des Rechts auf Teilhabe und größtmögliche Selbstbestimmung der Betreuten, wie die UN-Behindertenrechtskonvention sie für alle Menschen mit Behinderungen vorsieht. Der Paritätische wird den Reformprozess begleiten und mit den Betreuungsvereinen, den Betreuungsbehörden und der Politik die nach Bundesvorgaben notwendigen Veränderungen in NRW gestalten.

 

Zuordnung des Themas im Verband:

Fachbereich Betreuungsrecht

Fachgruppe Behinderung und Rehabilitation (Fachgruppenleitung: Thomas Tenambergen)